Kaufmann, Kai
Arbeit bestimmt unseren Alltag, unseren Lebensrhythmus und oft auch unser Selbstverständnis. Doch was „Arbeit“ bedeutet, hat sich im Laufe der Geschichte grundlegend verändert: Von der antiken Abwertung körperlicher Tätigkeit über den Arbeitsethos der Industrialisierung bis hin zu „New Work“ und digitaler Plattformökonomie. Heute stehen wir erneut vor einem Umbruch – durch Automatisierung, KI und neue Modelle von Erwerbsarbeit. Der Kurs nimmt Arbeit aus philosophischer, historischer und gesellschaftlicher Perspektive in den Blick. Wir fragen: Warum arbeiten wir eigentlich? Was macht Arbeit sinnvoll – und wann wird sie zur Belastung? Welche Vorstellungen von Arbeit prägen uns, und welche Alternativen sind denkbar? Gemeinsam analysieren wir Texte, tauschen Erfahrungen aus und entwerfen Szenarien für die „Arbeit der Zukunft“. Der Kurs bietet Raum, die eigene Arbeitsbiografie zu reflektieren und neue Perspektiven auf ein Thema zu gewinnen, das uns alle betrifft.
„Mach mehr aus dir!“ – kaum eine Botschaft prägt unsere Gegenwart stärker. Ob Fitness-App, Achtsamkeitskurs oder Karrierecoaching: Das Ideal des stetig verbesserten Selbst durchzieht Arbeit, Freizeit und Beziehungen. Die Logik dahinter ist oft dieselbe – Leistung, Effizienz, Selbstkontrolle. Doch wann kippt Selbstentfaltung in Selbstausbeutung? Und wie lässt sich ein gutes Leben jenseits permanenter Optimierung denken? Im Kurs gehen wir den kulturellen, historischen und psychologischen Wurzeln der Selbstoptimierung nach – von protestantischer Arbeitsethik und kapitalistischer Leistungsgesellschaft über digitale Selbstvermessung bis zu aktuellen Wellness- und Achtsamkeitstrends. Wir fragen: Warum fällt es uns so schwer, „einfach zu sein“, statt immer „mehr“ zu werden? Welche gesellschaftlichen Kräfte nähren das Gefühl, nie genug zu leisten? Neben theoretischen Impulsen steht die persönliche Reflexion im Mittelpunkt. In Gesprächen und kleinen Übungen erforschen wir, wie wir selbst auf Leistungsdruck reagieren, welche inneren Antreiber uns begleiten – und welche Formen von Selbstsorge heilsame Alternativen bieten. Ziel ist es, neue Perspektiven auf den Zusammenhang von Arbeit, Anerkennung und Selbstwert zu gewinnen und Wege zu finden, achtsam, aber nicht angepasst zu leben. Keine Vorkenntnisse erforderlich.
Sprache ist nie unschuldig. Sie kann verbinden oder spalten, Wirklichkeit abbilden oder formen. In Debatten über Gender, Migration oder Politik wird deutlich, wie sehr Worte selbst umkämpft sind – und wie stark sie Wahrnehmung, Denken und gesellschaftliche Dynamiken prägen. Doch wie genau wirkt Sprache? Und welche Verantwortung haben wir im Umgang mit ihr? Der Kurs untersucht, wie Sprache als Werkzeug der Macht funktioniert – von politischen „Frames“ und medialen Deutungsrahmen über Alltagsmetaphern bis hin zu Sprachwandel und neuen Ausdrucksformen. Anhand aktueller Beispiele wird sichtbar, wie durch Begriffe Realitäten geschaffen oder verdeckt werden: „Flüchtlingswelle“, „Leistungsträger“, „Klimahysterie“ – jedes Wort trägt eine Haltung in sich. Wir diskutieren philosophische und linguistische Perspektiven auf Sprache und fragen zugleich praktisch: Wie lässt sich bewusster, präziser und dialogfähiger sprechen? Wo stößt „politische Korrektheit“ an Grenzen – und wo ist sie Ausdruck von Respekt und Verantwortung? In Übungen und Diskussionen erproben wir den sensiblen Umgang mit Sprache als Mittel gesellschaftlicher Gestaltung. Ziel des Kurses ist es, Sprache als Machtinstrument zu durchschauen – und sie zugleich als Werkzeug des Verstehens und der Verständigung neu zu entdecken. Keine Vorkenntnisse erforderlich.
Was bedeutet eigentlich „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE)? Und welche Rolle spielt sie in Hochschulen und in der Erwachsenenbildung? BNE ist mehr als Umwelterziehung oder Klimabewusstsein – sie befähigt Menschen, Zukunft aktiv mitzugestalten. Es geht darum, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, eigene Werte und Handlungsoptionen zu reflektieren und gemeinsam gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen. Im Kurs nähern wir uns BNE aus unterschiedlichen Perspektiven: Wir klären, was BNE ist, woher sie kommt, warum sie für Bildung und Gesellschaft relevant ist und wohin sie uns führen will. Dabei werfen wir einen Blick auf die historischen Wurzeln – von der Umweltbewegung über die UN-Bildungsdekade bis hin zu den globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs) – und diskutieren aktuelle Entwicklungen in Wissenschaft, Lehre und Weiterbildung. Zugleich beleuchten wir, wo Chancen und Fallstricke liegen: Wie kann BNE wirklich transformatives Lernen fördern – und nicht bloß Schlagwort bleiben? Welche Verantwortung tragen Bildungsinstitutionen selbst, wenn sie „Nachhaltigkeit“ lehren wollen? Im Mittelpunkt steht dabei die doppelte Stoßrichtung von BNE: Mikroebene: Wie Lernende Kompetenzen, Werte und Perspektivwechsel entwickeln, um nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Makroebene: Wie Bildungseinrichtungen selbst zum Wandel beitragen – durch den sogenannten Whole Institution Approach, der Nachhaltigkeit in Lehre, Forschung und Organisationskultur verankert. Ziel des Kurses ist es, ein klares Verständnis von BNE zu gewinnen, zentrale Spannungsfelder und Fallstricke zu erkennen und Impulse für die eigene Lehre oder Bildungsarbeit zu entwickeln.